Predigtstuhlbahn in Bad Reichenhall eröffnet neues Museum

Mit der le­gen­dä­ren Pre­digt­stuhl­bahn in Bad Rei­chen­hall in Bay­ern kon­stru­ierte der Er­fin­der der mo­der­nen Seil­schwe­be­tech­nik, Alois Zuegg, ein Meis­ter­werk der In­ge­nieurs­kunst. Nach der In­be­trieb­nahme am 1. Juli 1928 lobte die Presse vor al­lem die Ge­schwin­dig­keit, Laut­lo­sig­keit und Si­cher­heit der „Grande Dame der Al­pen“.

„Denn in Rück­sicht auf das an­spruchs­volle Kur­pu­bli­kum von Bad Rei­chen­hall darf es nicht an Ele­ganz und Be­quem­lich­keit feh­len“, war da­mals zu le­sen. Er­wäh­nens­wert wa­ren der Presse auch die pro­mi­nen­ten Gäste aus Adel, Po­li­tik und Sport. Das al­les und noch viel mehr ist im neu er­öff­ne­ten Mu­seum der äl­tes­ten, noch im Ori­gi­nal er­hal­te­nen Ka­bi­nen­seil­bahn der Welt zu ent­de­cken. Mit ei­nem der höchs­ten Stan­des­äm­ter Deutsch­lands kann die Berg­sta­tion zu­dem als Hoch­zeits­lo­ca­tion ge­bucht wer­den.

Geschichten aus dem Bahn-Alltag

Pre­digt­stuhl (c) Ralph Häus­ler auf Pix­a­bay

Die Pre­digt­stuhl­bahn zog nach ih­rer Er­öff­nung vor al­lem die feine Ge­sell­schaft auf den 1.614 Me­ter ho­hen Bad Rei­chen­hal­ler Haus­berg. Fas­zi­niert von nur acht­ein­halb Mi­nu­ten bei­nahe vi­bra­ti­ons­freier Fahrt, fand sich in der An­fangs­zeit un­ter an­de­rem der baye­ri­sche Kron­prinz Rup­p­recht des ab­ge­dank­ten Kö­nig­reichs von Wit­tels­bach in­ko­gnito hier ein.

Be­son­ders be­liebt war der Pre­digt­stuhl auch bei Ski­be­geis­ter­ten aus al­ler Welt. 1958 bei­spiels­weise nahm der spä­tere Welt­klas­se­renn­läu­fer Willi Bo­gner an der Rei­chen­hal­ler Ju­gend­s­ki­meis­ter­schaft teil. Noch mehr Pro­mi­nenz – wenn auch tie­ri­sche – er­langte die „zahme Gams vom Pre­digt­stuhl“ in den 1930er-Jah­ren.

Ih­rem da­ma­li­gen Herr­chen Ge­org Bickel wie ein Hund fol­gend, fuhr sie gern mit der Gon­del berg­auf und bergab. Aus­ge­stopft kann man sie heute ne­ben zahl­rei­chen wei­te­ren his­to­ri­schen Ex­po­na­ten, tech­ni­schen Ge­rä­ten, Ori­gi­nal­tei­len und in­ter­ak­ti­ven Hör­sta­tio­nen im Pre­digt­stuhl­bahn-Mu­seum be­wun­dern. Es ist in der Tal- und Berg­sta­tion un­ter­ge­bracht und zu den Be­triebs­zei­ten der Bahn ge­öff­net.

Heiraten in zeitloser Architektur

Pre­digt­stuhl /​ Bel­etage in der Berg­sta­tion (c) Bad Rei­chen­hall Tou­ris­mus und Stadt­mar­ke­ting /​ Ste­fan Wie­bel

Voll­endet wurde das Meis­ter­werk von Wil­helm Kahrs als Ar­chi­tekt der Ge­bäude. Der Bau­di­rek­tor setzte auf die „neue Sach­lich­keit“, die den ver­spiel­ten Ju­gend­stil ab­löste und so die Brü­cke zum nach­fol­gen­den Bau­haus schlug. Das Stan­des­amt der Pre­digt­stuhl­bahn wurde 2018 im sel­ben Stil er­baut und be­fin­det sich auf 1.600 Me­tern im Sou­ter­rain des denk­mal­ge­schütz­ten Berg­re­stau­rants.

Die so­ge­nannte „Bel­etage” steht Hoch­zeits­paa­ren und ih­ren Gäs­ten ex­klu­siv zur Ver­fü­gung. Der Cham­pa­gner-Emp­fang vor- oder nach­her ist be­son­ders stim­mungs­voll in der no­blen Art-déco-Bar „Eve­ly­nes“ mit ih­ren rie­si­gen Fens­ter­fron­ten, von de­nen die Aus­sicht über die Berch­tes­ga­de­ner Al­pen bis zum Chiem­see reicht. Wahl­weise geht es zum Fest­essen in die tra­di­tio­nell-baye­ri­sche „Max Stu­ben“, das his­to­ri­sche Ka­min­zim­mer oder auf die Son­nen­ter­rasse mit wei­tem Berg­pan­orama.

Technik für die Ewigkeit

Pre­digt­stuhl­bahn (c) Mar­tin Her­furt auf Pix­a­bay

Seit ih­rer ers­ten Fahrt am 1. Juli 1928 hat die Bad Rei­chen­hal­ler Pre­digt­stuhl­bahn ihre Gäste bis heute aus­nahms­los un­fall­frei zu Berge ge­bracht. Zu ver­dan­ken ist das dem In­ge­nieur Alois Zuegg und dem Fa­bri­kan­ten Adolf Blei­chert. Ge­mein­sam per­fek­tio­nier­ten die bei­den Vi­sio­näre die Bran­che in den 1920er-Jah­ren mit­hilfe von meh­re­ren In­no­va­tio­nen – dar­un­ter die einst mäch­tigs­ten Spann­ge­wichte der Welt, die im­mer noch bei der Pre­digt­stuhl­bahn zum Ein­satz kom­men.

Zwei Jahre nach der Fer­tig­stel­lung er­rich­tete Blei­chert nach glei­chem Prin­zip die Seil­bahn zum 720 Me­ter hoch ge­le­ge­nen Be­ne­dik­ti­ner­klos­ter Monts­er­rat bei Bar­ce­lona. 1931 wurde dort auch die Ha­fen­seil­bahn ein­ge­weiht – eben­falls eine fast iden­ti­sche Ko­pie der Pre­digt­stuhl­bahn. Beide sind – wie ihr gro­ßes Vor­bild in Ober­bay­ern – im­mer noch in Be­trieb.

Die „Grande Dame der Al­pen“ kam in­des am Ende um eine mil­lio­nen­schwere Mo­der­ni­sie­rung trotz­dem nicht herum. Nach knapp 100 Jah­ren wur­den Teile der Tech­nik, die mo­nu­men­ta­len Be­ton­stüt­zen so­wie die iko­ni­schen Ka­bi­nen be­hut­sam re­stau­riert. Vor al­lem Ei­gen­tü­mer Max Ai­cher ist zu ver­dan­ken, dass das tech­ni­sche Meis­ter­werk im­mer noch si­cher sei­nen Dienst ver­rich­tet und heute in neuem Glanz er­strahlt.

    www.bad-reichenhall.de

    Autorin: Elisabeth Kapral

    Als Ju­ris­tin hat Eli­sa­beth ge­lernt, ex­akt zu for­mu­lie­ren. Das kommt ihr jetzt zu­gute, wenn sie für travel4news schreibt. Wor­über sie schreibt, weiß sie da­bei ganz ge­nau, denn sie hat be­reits 108 der 193 in der UNO ver­tre­te­nen Län­der be­sucht – und viele von ih­nen auch mehr­fach.

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