REPORTAGEN

Iran: Die Schätze des alten Persien

„Hello, where are you from?“ – „Aus­tria.“ – „Aah! Very nice. Wel­come to Iran!“ Wer heute durch das alte Per­sien reist, darf viele Kon­ver­sa­tio­nen die­ser Art füh­ren. Aus­län­der sind auch mehr als drei Jahr­zehnte Jahre nach der Is­la­mi­schen Re­vo­lu­tion noch im­mer eine Sel­ten­heit im Land der Mul­lahs und we­cken die un­still­bare Neu­gier der jun­gen Ira­ner. Heiß be­gehrt sind auch Grup­pen­fo­tos mit den exo­ti­schen We­sen aus dem Wes­ten.

Markt in Is­fa­han (c) tra­vel by tropf

Dass so we­nige Tou­ris­ten in den Iran kom­men, ist trau­rig für die Men­schen die­ses so schö­nen und gast­freund­li­chen Lan­des, für die Tou­ris­ten selbst ist es aber höchst an­ge­nehm. Denn so kann man die gran­dio­sen Kul­tur­denk­mä­ler des al­ten Per­sien ohne je­des Ge­dränge be­wun­dern, oft so­gar völ­lig al­lein.

Pa­s­arg­adae ist nur ein Bei­spiel: Seit 2500 Jah­ren steht hier auf ei­ner wei­ten Ebene das Grab­mal des per­si­schen Kö­nigs Ky­ros  II., der ei­ner der mäch­tigs­ten Män­ner der Welt war und we­gen sei­ner To­le­ranz ge­gen­über an­de­ren Re­li­gio­nen so­gar im Al­ten Tes­ta­ment lo­bend er­wähnt wurde.

„Ich bin Ky­ros, der den Per­sern die Herr­schaft er­wor­ben hat. Miss­gönnt mir nicht die we­nige Erde, die mei­nen Leich­nam deckt“, lau­tet eine In­schrift des be­ein­dru­ckend schlich­ten Bau­werks, das schon Alex­an­der der Große be­wun­derte.

Die Nach­fol­ger von Ky­ros wa­ren bei der Ge­stal­tung ih­rer letz­ten Ru­he­stätte we­ni­ger be­schei­den: Im knapp 50 Ki­lo­me­ter ent­fern­ten Naqsh‑e Rus­tam kann man die ge­wal­ti­gen Grä­ber von Xer­xes, Da­rius I., Da­rius II. und Ata­xer­xes be­stau­nen, die ne­ben­ein­an­der in eine hohe Fels­wand ge­hauen wur­den. Die Ira­ner spre­chen stolz vom „zwei­ten Tal der Kö­nige“.

Persepolis und der Rilke des Iran

Fast in Sicht­weite lie­gen die mo­nu­men­ta­len Rui­nen der al­ten Re­si­denz­stadt Per­se­po­lis, die im Jahr 520 vor Chris­tus ge­grün­det und 190 Jahre spä­ter von Alex­an­der zer­stört wurde. Die sehr gut er­hal­te­nen Re­liefe er­zäh­len, dass sich das Welt­reich der Per­ser da­mals von In­dien bis Ägyp­ten und in die heu­tige Tür­kei er­streckte, und man kann er­ah­nen, wel­che Reich­tü­mer hier ge­hor­tet wur­den. Wie der grie­chi­sche Ge­schichts­schrei­ber Plut­arch be­rich­tet, brauch­ten die Er­obe­rer „10.000 Paar Maul­tiere und 5.000 Ka­mele“, um al­les fort­zu­schaf­fen, was sich be­we­gen ließ.

Un­ter den Städ­ten im Hoch­land des Iran ist Shiraz si­cher­lich die schönste. Breite Pal­men­al­leen und aus­ge­dehnte Gär­ten be­stim­men das Bild der „Stadt der Ro­sen und der Nach­ti­gal­len“, die be­reits 2000 vor Chris­tus erst­mals auf Schrift­ta­feln er­wähnt wurde.

Der Schrein von Shah Cher­agh, dem Bru­der des ach­ten Imams Reza, ist eine der wich­tigs­ten Pil­ger­stät­ten des Lan­des. Deut­lich mehr An­drang herrscht aber in den bei­den Mau­so­leen der gro­ßen per­si­schen Dich­ter Sadi und Ha­fez, die im 13. und 14. Jahr­hun­dert leb­ten und so­gar von Goe­the ver­ehrt wur­den. Vor al­lem Ha­fez, der „Rilke des Iran“, ge­nießt heute bei der Ju­gend ab­so­lu­ten Kult-Sta­tus.

Isfahan und die „Hälfte der Welt“

Die Pracht­bau­ten der ehe­ma­li­gen Kö­nigs­stadt Is­fa­han stam­men aus dem 17. Jahr­hun­dert. Zu die­ser Zeit ließ der mäch­tige Herr­scher Shah Ab­bas den da­mals größ­ten Platz der Welt er­rich­ten: 500 Me­ter lang, 160 Me­ter breit, von zwei­stö­cki­gen Ar­ka­den ge­säumt und mit dem Pa­last Ali Qapu, der Sheikh-Lut­fol­lah- und der Imam-Mo­schee von drei Meis­ter­wer­ken der is­la­mi­schen Bau­kunst ge­krönt. Al­lein für die far­ben­präch­ti­gen Mo­saike der Imam-Mo­schee wur­den mehr als 100 Mill­lio­nen Ka­cheln ver­wen­det.

Wer da­nach auch noch den über­dach­ten Ba­sar mit ei­ner Ge­samt­länge von fünf Ki­lo­me­tern, die Frei­tags­mo­schee, die kö­nig­li­chen Gär­ten mit der Thron­halle und dem be­rühm­ten 40-Säu­len-Pa­last, die Wank-Ka­the­drale im Ar­me­nier­vier­tel und die al­ten Brü­cken über den „Ewi­gen Fluss“ Za­y­an­deh Rud be­sucht, ver­steht, warum ein al­tes per­si­sches Sprich­wort Is­fa­han als „die Hälfte der Welt“ be­zeich­net.

Die Paläste der Schah-Familie

In Te­he­ran ist hin­ge­gen fast nichts vom Glanz frü­he­rer Zei­ten zu se­hen. Nur die prunk­vol­len Pa­läste der 1971 ver­trie­be­nen Schah-Fa­mi­lie sind Se­hens­wür­dig­kei­ten ers­ten Ran­ges. Eine Über­ra­schung hat die graue Haupt­stadt aber doch zu bie­ten. Denn was im strengs­tens be­wach­ten, nur we­nige Stun­den pro Wo­che ge­öff­ne­ten Kron­ju­we­len­mu­seum der Na­tio­nal­bank auf­be­wahrt wird, sprengt jede Vor­stel­lungs­kraft.

Ob es nun der mit 26.000 Dia­man­ten ge­schmückte „Pfau­en­thron“ von Na­dir Shah ist, der rosa Dia­mant „Da­rya-ye Nur“, das Dia­dem von Fa­rah Diba, die Krone von Reza Schah Pahl­avi oder ein mit 51.363 Edel­stei­nen be­setz­ter Ju­we­len-Glo­bus aus 36 Ki­lo­gramm Fein­gold: Hier la­gert der größte Schatz des al­ten Per­sien – und ver­mut­lich ei­ner der größ­ten Schätze der Welt.

„Die Men­schen sind Glie­der,
mit­ein­an­der ver­wo­ben,
von glei­chem Stoff aus der
Schöp­fung ge­ho­ben.

Hat das Le­ben ein Glied mit
Schmerz ver­se­hen,
die an­de­ren Glie­der vor
Schmerz ver­ge­hen.

Du, der kein Mit­leid mit
an­de­ren kennt,
bist un­wür­dig, dass man dich
ei­nen Men­schen nennt.“                                                

Aus dem „Ro­sen­gar­ten“ von Sadi (1209–1296)

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