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    21. Juli 2019

    Bologna für Insider: Italiens Geheimtipp für Genießer

    Venedig, Flo­renz, Rom, Neapel. Die klas­si­sche Ita­­lien-Route führt mit schöner Regel­mä­ßig­keit an Bologna vorbei. Gibt es in der Haupt­stadt der Emilia-Romagna nichts zu sehen? Keine 38 Kilo­meter antiker Lau­ben­gänge? Keine monu­men­talen Back­stein-Bauten an der Via Cas­tiglione und keine Piazza Mag­giore mit einer mäch­tigen Basi­lika?

    Viele igno­rieren diese Attrak­tionen und manche freuen sich dar­über: Denn Bologna ist eine Stadt für Ita­liener geblieben. Wer den Tag mit einem Cap­puc­cino und einer sen­sa­tio­nell guten Brioche in der Bar Aroma (Via Porta Nova 12/​​b) beginnt, spürt das sofort.

    Piazza Mag­giore (c) Bologna Wel­come

    Am Tresen stehen aus­schließ­lich Ein­hei­mi­sche, die mit Inhaber und Barista Ales­sandro Gal­tieri über das Wetter, die Wirt­schaft und die zur Wahl ste­henden Kaffee-Sorten fach­sim­peln: Sollen sie den Java oder den Malabar bestellen? Oder besser gleich die Spe­zia­lität des Hauses – einen Espresso mit einem Klacks haus­ge­machtem Zabaglione?

    Bologna genießt selbst im gas­tro­no­misch pri­vi­le­gierten Ita­lien eine Son­der­stel­lung. Natür­lich sind die Bewohner stolz darauf, dass ihre Stadt „la dotta” (die Gebil­dete) genannt wird, weil ihre 1088 gegrün­dete Uni­ver­sität die älteste der west­li­chen Welt ist. Wich­tiger ist ihnen aber der Bei­name „la grassa” (die Fette) – und die Tat­sache, inner­halb Ita­liens als wahres Schla­raf­fen­land zu gelten.

    Mer­cato delle Erbe (c) Bologna Wel­come

    Erste Anzei­chen findet man auf dem präch­tigen Mer­cato delle Erbe. In der Halle liegen Tomaten, Arti­scho­cken und Pfir­siche in ver­schie­densten Farben und Formen auf den Ver­kaufs­ti­schen, in der „Form­ag­geria Bar­bieri” gibt es 36 und 48 Monate lang gereiften Par­mi­giano Reg­giano und tages­fri­schen Zie­gen­quark – und bei „I Salumi della Cecca” werden feinster Par­ma­schinken und Mor­ta­della auf­ge­schnitten.

    Eine wei­tere kuli­na­ri­sche Attrak­tion wartet gleich neben der Markt­halle: Le Sfog­line – der Schuh­schachtel große Nudel-Laden der Zap­­poli-Schwes­­tern. Ihre Mutter hatte ihn 1996 eröffnet, obwohl damals jede anstän­dige Haus­frau ihre eigenen Teig­waren zube­rei­tete.

    Sfog­line (c) Bologna Wel­come

    Heute ist das anders und das Geschäft brummt. Schon am frühen Nach­mittag zeugen nur noch hand­ge­schrie­bene Zettel in leeren Papp­schalen von dem, was es zu kaufen gab: Tor­tel­loni, Tor­tel­lini, Pas­sa­telli, Gnocchi, Taglia­telle, Taglio­line, Quadret­tini – alles in der Werk­statt gleich hinter dem Ver­kaufs­raum in Hand­ar­beit pro­du­ziert.

    Ein ähn­li­ches Angebot liegt bei Sfo­glia Rina in der Vitrine. Inhaber Lorenzo Scan­del­lari hat das Hand­werk von seiner Groß­mutter gelernt und vor ein paar Jahren im Qua­dri­la­tero – dem his­to­ri­schen Ein­kaufs­viertel der Stadt – ein „labo­ra­torio” mit ange­schlos­senem Restau­rant eröffnet. Auf der Schie­fer­tafel stehen die aktu­ellen Tages­ge­richte, am großen Gemein­schafts­tisch bleibt um die Mit­tags­zeit selten ein Stuhl frei.

    Por­tico della Morte (c) Via dei Musei (c) Bologna Wel­come

    Ganz in der Nähe, unter den Arkaden der pit­to­resken Via de’ Musei, befindet sich der wohl schönste Ein­kaufs­tempel der Stadt: Im L’Inde le Palais gibt es aus­ge­suchte Wohn­ac­ces­soires, sel­tene Par­fums, extra­va­gante Schmuck­stücke und Bücher – unter anderem die luxu­riösen Bild­bände aus dem Taschen Verlag.

    Außerdem finden Shop­ping­fans auch Marken aus der Region wie Max Mara, Furla oder Sergio Rossi in diesem Kauf­haus. Das Geschäft erstreckt sich über drei Etagen und zieht sich durch ver­schie­dene Zimmer. Allein die unge­wöhn­liche Insze­nie­rung ist einen Besuch wert. Die Läden von Prada, Gucci und Bru­nello Cuci­nelli sind nur einen Kat­zen­sprung ent­fernt.

    Piazza Mercanzia /​​ Loggia dei Mercanti (c) Bologna Wel­come

    Eben­falls ganz in der Nähe und absolut sehens­wert: der impo­sante goti­sche Back­stein­pa­last Loggia dei Mercanti aus dem 14. Jahr­hun­dert, in dem seit jeher die Han­dels­ak­ti­vi­täten der Stadt gere­gelt werden. Im Tresor der Han­dels­kammer befindet sich übri­gens das gol­dene Maß für die Taglia­tella. Sie muss genau 8 Mil­li­meter messen.

    Eben­falls einen Besuch wert ist das ana­to­mi­sche Theater im ehe­ma­ligen Uni­ver­si­täts­ge­bäude Archi­gin­nasio – ein 1637 errich­teter, holz­ver­tä­felter Saal mit Kas­­setten-Decke, zahl­rei­chen Holz­sta­tuen, die berühmte Medi­ziner der Antike dar­stellen, einem Lehrer-Hoch­­­sitz mit Bal­da­chin und einem Sezier­tisch aus weißem Marmor. Oder das zwi­schen 1109 und 1119 errich­tete Turm-Duo Gari­senda und Asi­nelli – übrig geblieben von über 100 Hoch­häu­sern jener Zeit, die Bologna zum „Man­hattan des Mit­tel­alter” machten.

    Piazza Verdi (c) Bologna Wel­come

    Die heu­tigen Bewohner der mit­tel­al­ter­li­chen Welt­stadt treffen sich abends zum „ape­ri­tivo“. Offenbar taten sie das schon im 15. Jahr­hun­dert, als die Osteria del Sole eröff­nete. Nur ein kleines Schild mit der Auf­schrift „vino“ verrät, dass es hier etwas zu trinken gibt – und die Men­schen, die mit einem Glas vor dem Ein­gang stehen.

    Drinnen sitzen Geschäfts­leute, junge Krea­tive mit Laptop, Künstler, Stu­denten und Senioren an langen Holz­ti­schen, vor sich eine Fla­sche des per­lenden weißen Pig­n­o­­letto-Weins aus den Hügeln um Bologna oder einen roten Lam­brusco, der in der Gegend um Parma pro­du­ziert wird.

    Ber­bere (c) Fran­cesca Sara Cauli

    Insider haben Schafs­käse aus dem Apennin und ein Stück Bolo­gneser Cre­scenta (Fla­den­brot) mit­ge­bracht, denn in der Osteria del Sole gibt es nichts zu essen. Das gibt es anderswo. Zum Bei­spiel in der schick gestal­teten Trat­toria Oltre in einer stillen Gasse hinter der Markt­halle. Küchen­chef Daniele Ben­danti und sein Partner Lorenzo Costa setzen auf eine junge Kli­entel, die auch per­fekt zube­rei­tete Klas­siker wie Taglia­telle al Ragù oder Coto­letta alla Bolo­gnese zu schätzen weiß.

    Oder im Ber­berè – einer in jeder Hin­sicht unge­wöhn­li­chen Piz­zeria: Die Wände sind aqua­ma­rin­farben und mit Comics geschmückt, an der Decke ziehen sich Indus­trie­rohre ent­lang und aus der offenen Küche kommen sen­sa­tio­nelle Pizzen aus Bio-Zutaten.

    www.emiliaromagnaturismo.it

    Por­tico San Luca (c) Bologna Wel­come

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