Eine Flotte revolutionärer Elektrofähren wird den Malediven schon bald helfen, die Umweltverschmutzung zu reduzieren und den Touristen gleichzeitig eine ruhige Fahrt ohne Seekrankheit zu bieten. Möglich macht dies das technische Wunderwerk Candela P‑12 aus Schweden.
Noch in diesem Jahr werden die ersten Touristen die nach Benzin riechenden Schnellboote, die den Transport auf den Malediven dominieren, hinter sich lassen und stattdessen an Bord der Candela P‑12 gehen – dem weltweit ersten „fliegenden” Elektro-Shuttle-Schiff.

Eine Flotte von zehn hochmodernen, in Schweden gebauten Schiffen wurde vom maledivischen Betreiber Ego Shuttle gekauft. Die innovative P‑12 fliegt 1,5 Meter über der Wasseroberfläche und ist schneller als jedes andere Elektroschiff. Sie gilt als bahnbrechend, da sie eine große elektrische Reichweite mit hoher Geschwindigkeit auf See kombiniert.
Ihr Geheimnis liegt in zwei computergesteuerten Tragflügeln, die den Rumpf über das Wasser heben und den Energieverbrauch um erstaunliche 80 Prozent reduzieren. Damit ist die große Reichweite möglich, die erforderlich ist, um Reisende vom internationalen Flughafen Malé zu den Außenatollen der Inseln zu befördern.
„Bislang gab es keine wirklichen Möglichkeiten, den Wassertransport zu elektrifizieren, da herkömmliche Rümpfe einfach zu ineffizient sind, um mit Batteriestrom betrieben zu werden. Mit dem Candela P‑12 haben wir endlich ein Schiff mit der Reichweite und Geschwindigkeit, um Boote mit fossilen Brennstoffen zu ersetzen – und gleichzeitig die Auswirkungen auf diese einzigartige Umwelt zu minimieren.“
Shabir Walji, CEO von Ego Shuttle
Die P‑12 wird die Verschmutzung und Emissionen der vielen Schnellboote mit zwei Außenbordmotoren in der Tourismusbranche bekämpfen. Diese Boote verbrauchen in der Regel etwa fünf Liter Benzin pro Meile – 15 Mal mehr Kraftstoff als ein Bus – und gehören damit zu den größten CO2-Emittenten des Landes. Noch kritischer ist, dass ihre großen Wellen die Korallen erodieren, während der Motorlärm empfindliche Riffökosysteme stört und Fische an der Fortpflanzung hindert.
Einmal in Fahrt, verdrängt die flüsterleise P‑12 fast kein Wasser und erzeugt praktisch keine Wellen – nur eine sanfte Bewegung durch ihre beiden gegenläufigen Propeller. Ihr Kielwasser ist weniger als zehn Zentimeter hoch und somit vergleichbar mit dem eines kleinen Beibootes. Da sie vollelektrisch und so effizient ist, werden Emissionen reduziert.

Die P‑12 verspricht auch ein deutlich besseres Erlebnis für die Touristen, die die Resorts der Malediven besuchen. Der Flight Controller an Bord – ein Computer – passt nämlich den Winkel der Tragflügel kontinuierlich in Echtzeit an, um eine stabile Fahrt zu gewährleisten. Diese Technologie wird auch als „digitale Pille gegen Seekrankheit” bezeichnet. Darüber hinaus können die Passagiere WLAN, Unterhaltungsbildschirme, Erfrischungen und Snacks, Barrierefreiheit und Ladesteckdosen für verschiedene persönliche Geräte genießen.
„Es ist einfach ein besseres Erlebnis. Die Tragflügelboot-Technologie ist eine Win-Win-Situation – besser für die Passagiere und besser für den Planeten. Wir sind sehr stolz darauf, mit Ego Shuttles zusammenzuarbeiten, um unsere Tragflügelboot-Technologie auf die Malediven zu bringen, wo sie einen nachhaltigen Einfluss auf einen der weltweit beliebtesten und artenreichsten Orte haben wird.”
Gustav Hasselskog, Gründer und CEO von Candela
Die ersten Schiffe der P‑12-Flotte von Ego werden Malé mit den umliegenden Inseln verbinden. Der Betrieb soll noch 2026 aufgenommen werden. Ego Shuttles wird außerdem einen lokalen Logistik- und Service-Hub einrichten, maledivische Fachkräfte ausbilden und neue grüne Arbeitsplätze schaffen.

Obwohl hochmodern, hat sich die Candela P‑12 bereits im öffentlichen Nahverkehr von Stockholm bewährt, wo sie dank der Befreiung von den Geschwindigkeitsbegrenzungen in der Stadt eine sehr hohe Akzeptanz bei den Fahrgästen gefunden hat, da sie die Pendelzeiten um die Hälfte verkürzt.
„Wir sind stolz darauf, diese Weltneuheit auf die Malediven zu bringen, unterstützt durch die ehrgeizige Klimapolitik der Regierung und ihr Engagement, bis 2030 Netto-Null zu erreichen. Die Malediven sind seit langem eine globale Stimme für Klimaschutzmaßnahmen, und mit der Einführung des Candela P‑12 zeigen sie, wie selbst die am stärksten gefährdeten Nationen mit gutem Beispiel vorangehen können.“
Shabir Walji, CEO und Gründer von Ego Shuttles

Autorin: Elisabeth Kapral
Als Juristin hat Elisabeth gelernt, exakt zu formulieren. Das kommt ihr jetzt zugute, wenn sie für travel4news schreibt. Worüber sie schreibt, weiß sie dabei ganz genau, denn sie hat bereits 108 der 193 in der UNO vertretenen Länder besucht – und viele von ihnen auch mehrfach.