Im Nordwesten von Irland versteckt sich ein besonderer Ort mit einer einzigartigen Mischung aus Natur und Mythologie. Das County Sligo am berühmten „Wild Atlantic Way” lädt mit endlosen Stränden, heilsamen Algenbädern und dem malerischen Küstendorf Strandhill zum Entdecken und Verweilen ein.
Das County Sligo zählt zweifellos zu den landschaftlich spannendsten Regionen Irlands. Berühmte Surfspots wie Mullaghmore und die sagenumwobenen Berge Ben Bulben und Knocknarea machen die Region zu einem Hotspot für Naturliebhaber und Aktivurlauber. Zudem ist die dramatische Küste eng mit der irischen Literaturgeschichte verbunden, denn William Butler Yeats verewigte die Natur rund um Sligo in zahlreichen Gedichten.
Berge voller Mythen und Legenden
In der irischen Mythologie war der markante Ben Bulben mit seiner weithin sichtbaren Tafelberg-Silhouette das Jagdgebiet der legendären Fianna – einer Elitekriegergruppe unter der Führung von Fionn Mac Cumhaill. Der Ort gilt daher als Schwelle zwischen den Welten und ist auch mit der tragischen Liebesgeschichte von Diarmuid und Gráinne verbunden.
Ein Besuch von Yeats’ Grab auf dem Friedhof von Drumcliffe gehört ebenso zum Programm wie eine Panoramatour mit Blick auf die Klippen. Der mystische Berg Knocknarea trägt auf seinem Gipfel das gigantische Grab der sagenumwobenen Königin Medb oder Maeve, das über den gut ausgeschilderten „Queen Maeve’s Trail” erreichbar ist – spektakuläre Ausblicke inklusive.
Besonders eindrucksvoll wird die Wanderung mit Lucianne Hare von „Nourished in Nature“, die Kräuter- und Küstenforagingtouren anbietet. Dabei lernen die Teilnehmer essbare Wildpflanzen kennen – wie etwa das nach Kokos duftende Ginsterkraut oder das wilde Ruprechtskraut. Hares Seegras-Führungen lassen sich über das National Surf Centre buchen. Alternativ kann man auch eine private Tour mit Schnorchelgängen zu tiefer wachsenden Algen oder mit spannenden Streifzügen entlang der Küste bei Ebbe wählen.
Das Zentrum des irischen Surfsports
Rachel Mulrooney, die das „Salt & Yoga Studio“ in Strandhill betreibt, betont die heilende Kraft der Umgebung. Die Einheimische teilen die natürliche Schönheit gerne mit internationalen Surfern, die hier eine zweite Heimat gefunden haben, und mit Reisenden, die auf der Suche nach Ruhe und neuer Verbindung zur wilden Landschaft sind.
Strandhill ist das Zentrum des irischen Surfsports. Im National Surf Centre teilen sich die drei Surfschulen Sligo Surf Experience, Strandhill Surf School und Rebelle Surf ein CO₂-neutrales Gebäude. Auch die Atlantic Surf School mit Lodge und Hostel befindet sich im Dorf.
Etwa eine Stunde südwestlich liegt das ruhigere Enniscrone mit seinem fünf Kilometer langen weißen Sandstrand und legendären Wellen. Die familiengeführte North West Surf School bietet Einsteigern die perfekte Gelegenheit, das Surfen zu lernen.
Die berühmten Algenbäder von Sligo
Beide Orte stehen auch für eine besondere Wellness-Tradition – die therapeutischen Algenbäder. Die Kilcullen Seaweed Baths in Enniscrone existieren seit 1912 und werden von der Familie Kilcullen betrieben. Besonders im Herbst schwören die Bauern der Region auf das Bad in emaillierten Wannen mit wild geerntetem Fucus-Seegras in warmem Atlantikwasser als traditionelles Mittel gegen Rheuma und Gelenkschmerzen. Ein Urenkel des Gründers ist noch heute persönlich beim Einholen des Seegrases dabei.
Im modernen Voya Seaweed Baths in Strandhill steht die nachhaltige, händische Ernte lokaler Algen ebenfalls im Mittelpunkt. Das gebrauchte Seegras wird anschließend als Bio-Dünger an örtliche Landwirte und Gemeinschaftsgärten weitergegeben.
Auch Sligos lebendige Foodszene hat das traditionelle Wissen um die Nährstoffe der Algen neu entdeckt. Im „Osta Café & Wine Bar” in Sligo-Stadt gibt es Haussalat mit Sea Spaghetti und luftgetrockneter Nori oder einen Brownie mit Algengewürzen. Im Sommer bietet Dr. Prannie Rhatigan, Autorin des Kochbuchs „Irish Seaweed Kitchen“ dazu spezielle Seegras-Erkennungswanderungen an.
Genuss und Festivals am Meer
Rachel Mulrooney vom „Salt & Yoga Studio“ in Strandhill ist überzeugt, dass es etwas Ursprüngliches und Erdendes an Sligo und Strandhill gibt. Alles sei hier greifbar nah – das Meer, der Strand, Yoga und Bergpfade. Es sei ein Ort, der die Menschen anziehe und ihnen erlaube, innezuhalten und wieder tief durchzuatmen.
„Sligo hat diesen seltenen Zauber. Es ist der wilde Atlantik, die uralte Mythologie, die in der Landschaft lebendig wird, und eine Gemeinschaft, die die Natur wirklich schätzt.“
Rachel Mulrooney, gebürtig aus dem Surferdorf Strandhill im County Sligo
Ob beim Wellenreiten, Wandern auf den Spuren alter Sagen oder beim Eintauchen in ein Algenbad: Sligo ist ein Ort voller seltener Schönheit. Einer, der lange nachklingt, auch wenn man seine Küsten längst wieder verlassen hat.
Im Herbst zeigt Sligo dabei seine ganze Vielfalt, wenn geführte Wanderungen, kulinarische Entdeckungen und entspannende Wellness-Tage am Meer einladen. Besonders authentisch erlebt man die Region, wenn die Sommergäste abgereist sind, das kulturelle Leben aufblüht und die Natur ihre volle Pracht entfaltet.
Erlebnisse in der Region
- Taste of Sligo Food Festival: In Sligo Town präsentieren Spitzenköche wie Dr. Prannie Rhatigan am 21. und 22. September regionale Spezialitäten und bieten Seegras- und Wildkräuter-Workshops an. Auf dem Markt gibt es Live-Musik, Kochshows und viele lokale Produkte zum Probieren.
- „Nourished in Nature“: Auf geführten Küsten- und Kräuterwanderungen entdeckt man essbare Wildpflanzen und Algen am Knocknarea, an der Küste bei Ebbe oder auf privaten Schnorchel-Touren.
- Wellness und Surfen: Die traditionellen Kilcullen Seaweed Baths in Enniscrone und das moderne Voya Spa in Strandhill bieten entspannende Algenbäder. Surfkurse in Strandhill und Enniscrone machen das Meer erlebbar, – für Anfänger und Fortgeschrittene.
- Kulinarische Touren: Die „Taste of Sligo Food Tours” führen zu den besten Lokalen der Stadt mit regionalen Spezialitäten wie Austern, Algen und Craft-Bieren.
- „Salt & Soul“: Bei einem Boutique-Wellness-Retreat werden Yoga, Surfen, Sauna und die gesunde Küche am Meer gefeiert. Wanderungen zu Ben Bulben und Knocknarea oder ein Besuch am Grab von William Butler Yeats runden das Angebot ab.
Autorin: Elisabeth Kapral
Als Juristin hat Elisabeth gelernt, exakt zu formulieren. Das kommt ihr jetzt zugute, wenn sie für travel4news schreibt. Worüber sie schreibt, weiß sie dabei ganz genau, denn sie hat bereits 108 der 193 in der UNO vertretenen Länder besucht – und viele von ihnen auch mehrfach.