Die historische Schwimmhalle Yrjönkatu in Helsinki – versteckt in einem Stadtblock im Zentrum der finnischen Hauptstadt – ist nach einer umfassenden Renovierung wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Im Jahr 1928 eröffnet, gilt sie als eines der ältesten Hallenbäder in Skandinavien und ein lebendiges Stück der Badetradition Helsinkis.
Während die Saunakultur in letzter Zeit auch internationale Popularität erlangt hat, ist sie seit Jahrhunderten ein zentraler Bestandteil des finnischen Lebens. In Helsinki entwickelte sich diese Tradition im 19. Jahrhundert zu einer Kurkultur, als die Stadt für ihre Seebäder und Kurorte bekannt wurde.

Die Yrjönkatu-Schwimmhalle setzt diese Geschichte als Finnlands erste Schwimmhalle fort, die für ganzjähriges Baden, Sport und Entspannung konzipiert wurde und bis heute eines der bestgehüteten Geheimnisse der Stadt ist.
„Die Yrjönkatu-Schwimmhalle ist bei den Einwohnern Helsinkis sehr beliebt. Das wurde in den Rückmeldungen deutlich, die wir während der Renovierungsplanung erhalten haben. Die Botschaft war einfach: Verändert nichts an ihrem Charakter. Bewahrt die Atmosphäre und den Charakter, die sie so besonders machen.“
Paavo Arhinmäki, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Helsinki
Architektonisch repräsentiert die Schwimmhalle Yrjönkatu den nordischen Klassizismus, angereichert mit Einflüssen des Art déco. Das von dem Architekten Väinö Vähäkallio entworfene und vom Bauunternehmer Jalo N. Syvähuoko erbaute Gebäude hebt sich durch sein raffiniertes Interieur und seine technisch anspruchsvolle Struktur von den eher kommerziellen und industriellen Werken Vähäkallios ab. Die Schwimmhalle, die auf einem kompakten Grundstück in einem dicht bebauten Stadtzentrum errichtet wurde, war für ihre Zeit ein besonders anspruchsvolles Ingenieurprojekt.
Nordischer Klassizismus trifft auf Art déco

Im Erdgeschoss befinden sich ein großes Schwimmbecken, Waschräume und Saunen, die den funktionalen Kern der Halle bilden. Im zweiten Stock gibt es private Entspannungskabinen, und die Besucher können von den Cafétischen aus auf das Schwimmbecken hinunterblicken. Hier wird das Erlebnis eher zu einem Spa-Erlebnis, mit mehreren verschiedenen Saunen, darunter eine traditionelle Holzsauna und eine Dampfsauna. Ein kleineres Schwimmbecken und Einrichtungen für Gruppengymnastik vervollständigen das Ensemble.
Bei ihrer Eröffnung war die Yrjönkatu-Schwimmhalle weit mehr als nur ein Ort zum Schwimmen. In den 1920er- und 1930er-Jahren konnten Besucher ihre Schuhe putzen, ihre Kleidung bügeln und ihre Haare stylen lassen, bevor sie direkt von der Sauna zu einer Tanzschule oder einem Restaurant gingen, ein echtes Zentrum der städtischen Freizeitgestaltung.
Renovierung unter Berücksichtigung des kulturellen Erbes

Während der gesamten Renovierung wurde die Schwimmhalle wie ein denkmalgeschütztes Gebäude behandelt. Das Projekt wurde in enger Zusammenarbeit mit den Experten für Kultur und Denkmalschutz der Stadt Helsinki durchgeführt, mit dem Ziel, die historischen, architektonischen und kulturellen Werte zu bewahren.
Das Innere der historischen Schwimmhalle ist von außergewöhnlicher architektonischer Bedeutung und auch technisch einzigartig, da die Schwimmbecken vertikal übereinander angeordnet sind – eine zum Zeitpunkt der Errichtung seltene Lösung. Bei der Renovierung lag der Schwerpunkt auf der Erhaltung des ursprünglichen Aussehens und der Proportionen der Räume bei gleichzeitiger Verbesserung der Barrierefreiheit und Modernisierung der Gebäudetechnik, um modernen Standards und Umweltzielen gerecht zu werden. Entsprechend den Rückmeldungen der Öffentlichkeit wurden die Änderungen bewusst minimal gehalten, wobei sich die sichtbarsten Neuerungen auf den Kontrollbereich der Rettungsschwimmer und den Ticketschalter beschränkten.
„Die Yrjönkatu-Schwimmhalle ist nicht nur eine Sportanlage, sondern auch ein kulturelles Wahrzeichen von nationaler Bedeutung. Jede Designentscheidung wurde sorgfältig abgewogen, um die ursprünglichen Materialien, räumlichen Qualitäten und Details so weit wie möglich zu erhalten, insbesondere die charakteristischen Keramikfliesen aus den 1920er Jahren.”
Katri Olli, Projektmanagerin der Abteilung für städtische Umwelt der Stadt Helsinki
Im Rahmen der Renovierung wurde auch ein neues öffentliches Kunstwerk eingeführt, das nach dem Prinzip „Prozent für Kunst“ der Stadt Helsinki in Auftrag gegeben wurde. Das Werk „Water Bodies“ der Fotokünstlerin Noora Sandgren besteht aus sechs auf Glas gedruckten Fotografien, die am Eingang der Schwimmhalle installiert sind. Das Werk zelebriert Wasser als lebensspendende Kraft und hebt die Interaktion zwischen verschiedenen Organismen hervor. Im Rahmen des Programms „Prozent für Kunst“ wird ein Teil des Bau- und Renovierungsbudgets der Stadt für neue öffentliche Kunstwerke bereitgestellt.
Ein unvergleichliches Badeerlebnis

Die Schwimmhalle Yrjönkatu ist unter den öffentlichen Schwimmanlagen Helsinkis einzigartig, da sie den Besuchern die Möglichkeit bietet, je nach persönlicher Vorliebe entweder nackt oder in Badekleidung zu schwimmen. Die Schwimmtage sind nach einer langjährigen Tradition getrennt für Frauen und Männer angesetzt.
Die beiden Etagen des Gebäudes bieten kontrastreiche, aber sich ergänzende Erlebnisse. Das Erdgeschoss dient als traditionelles Schwimmbad für Sport und Bahnen, während die zweite Etage die Besucher mit privaten Kabinen, mehreren Saunen und einem Café mit Blick auf das Schwimmbecken zu einem verweilenden Spa-Erlebnis einlädt. Zusammen bilden sie eine einzigartige und beliebte Kombination aus öffentlicher Schwimmhalle und historischem städtischem Spa.

Autorin: Elisabeth Kapral
Als Juristin hat Elisabeth gelernt, exakt zu formulieren. Das kommt ihr jetzt zugute, wenn sie für travel4news schreibt. Worüber sie schreibt, weiß sie dabei ganz genau, denn sie hat bereits 108 der 193 in der UNO vertretenen Länder besucht – und viele von ihnen auch mehrfach.