Der Aufsichtsrat der belgi­schen VLM Airlines hat den WCO-Gläubi­ger­schutz zurück­ge­zogen und beim Handels­ge­richt Antwerpen die Insolvenz beantragt. Der Flugbe­trieb wurde bereits einge­stellt. Vor allem für den Bodensee-Airport Fried­richs­hafen ist das eine ganz schlechte Nachricht.

VLM wurde von den belgi­schen Behörden ein Gläubi­ger­schutz für sechs Monate gewährt, doch wie CEO Hamish Davidson nun erklärte, bestand für das Restruk­tu­rie­rungsteam „nicht ausrei­chend Zeit, den weiteren Abgang von Piloten zu reduzieren und genug finan­zielle Ressourcen aufzu­bringen, um den Flugbe­trieb sicher­zu­stellen“.

(c) Bodensee-Airport Friedrichshafen
(c) Bodensee-Airport Fried­richs­hafen

Der geplante Sale-Lease-Back der Flugzeuge oder eine mögliche Rekapi­ta­li­sierung hätte nach Einschätzung der Unter­neh­mens­leitung „mindestens weitere zwei bis drei Monate“ in Anspruch genommen. Zudem seien Charter­auf­träge unerwartet storniert worden – zuletzt von People’s Viennaline, für die VLM einen täglichen Flug zwischen Alten­rhein und Wien durch­ge­führt hatte.

VLM bedauert sehr, diese Konse­quenzen ziehen zu müssen. Letztlich kamen wir jedoch unaus­weichlich zu der Erkenntnis, dass die Sanie­rungs­be­mü­hungen seit Jänner 2016 zu spät kamen, um die Airline dauerhaft restruk­tu­rieren zu können“, so Davidson.

Die Unsicherheit nach der überra­schenden Sperrung von Bankkonten habe zu zahlreichen Kündi­gungen von Piloten geführt und wichtige Charter­kunden hätten sich nicht mehr getraut, mittel- und langfristig Flüge zu buchen. Auch sei es in den zwei Wochen zwischen der Beantragung des Gläubi­ger­schutzes und dessen Bewil­ligung zu einem „massiven tempo­rären Einbruch von Buchungen im Linien­flug­be­trieb“ gekommen, was den Cash-Flow „zusätzlich negativ beein­flusste.“

(c) Bodensee-Airport Friedrichshafen
(c) Bodensee-Airport Fried­richs­hafen

Für den Bodensee-Airport Fried­richs­hafen bedeutet das Grounding nach dem Konkurs von InterSky einen weiteren Rückschlag – schließlich glaubte man, mit VLM einen langfris­tigen Betreiber für die ehema­ligen InterSky-Routen nach Berlin-Tegel, Düsseldorf und Hamburg gefunden zu haben. Erst seit 15. Februar 2016 war VLM auf diesen Strecken bis zu zweimal täglich unterwegs. Nun muss sich das Management des Flughafens neuerlich nach einem Ersatz umschauen, denn es geht hier immerhin um 19 Prozent aller Passa­giere, die von Fried­richs­hafen abfliegen.

Hamish Davidson ist jeden­falls überzeugt, dass sich die Routen profi­tabel betreiben lassen: „Gerade das VLM-Streckennetz ab Fried­richs­hafen war wesent­liches Element der Unter­neh­mens­sa­nierung. Für VLM kam diese Chance jedoch zu spät, obwohl sich der Durch­schnitts­ertrag pro Flug von und nach Fried­richs­hafen bis Juni 2016 mehr als verdoppelt hat.“

Die 1993 gegründete VLM bezeichnete sich als „Business Airline“ mit entspre­chendem Bordservice und konzen­trierte sich ganz auf Regio­nal­strecken. Die Flotte umfasste elf Maschinen vom Typ Fokker 50, die ein Durch­schnitts­alter von rund 26 Jahren aufweisen. Sie waren unter anderem in Antwerpen, Hamburg, Waterford (Irland), Rotterdam, Birmingham, London-Luton, Southampton und Fried­richs­hafen statio­niert.

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