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UNESCO-Welterbe: Das sind die neuen Orte auf der Liste

Die UNESCO hat 29 neue Orte und Re­gio­nen in das Welt­kul­tur- oder Welt­na­tur­erbe auf­ge­nom­men. Zwölf da­von, die tou­ris­tisch be­son­ders in­ter­es­sant sind, stel­len wir hier kurz vor. Deutsch­land, Tsche­chien und Por­tu­gal sind da­bei gleich zwei­mal ver­tre­ten, aber auch My­an­mar, In­dien, Ita­lien und Gran Ca­na­ria dür­fen sich über neue Welt­erbe­stät­ten freuen.

Bagan /​ Myanmar

Ba­gan /​ My­an­mar (c) pixabay

Dass es Ba­gan bis­her noch nicht auf die Liste des Welt­kul­tur­er­bes ge­schafft hat, ist ei­gent­lich un­glaub­lich. Nun hat die UNESCO das end­lich nach­ge­holt. Über die ein­zig­ar­tige Land­schaft am Ufer des Ir­ra­waddy in der Zen­tral­ebene von My­an­mar mit ih­ren mehr als 2.000 bud­dhis­ti­schen Pa­go­den muss man nichts mehr er­zäh­len: Sie ist ein spek­ta­ku­lä­res Zeug­nis des Hö­he­punkts der Ba­gan-Zi­vi­li­sa­tion im 11. bis 13. Jahr­hun­dert, als der Ort die Haupt­stadt ei­nes be­deu­ten­den Rei­ches war.

Erzgebirge /​ Deutschland & Tschechien

Ja­chy­mov /​ Erz­ge­birge (c) Jan Al­brecht

Das Erz­ge­birge (Kruš­no­hoří) ver­teilt sich auf den Süd­os­ten Deutsch­lands und den Nord­wes­ten Tsche­chi­ens. Die Kul­tur­land­schaft wurde vom 12. bis zum 20. Jahr­hun­dert durch 800 Jahre Berg­bau ge­prägt – mit ty­pi­schen Städ­ten, weg­wei­sen­den Was­ser­sys­te­men und in­no­va­ti­ven Auf­be­rei­tungs- und Schmelz­stand­or­ten. Von 1460 bis 1560 war die Re­gion die wich­tigste Sil­bererz­quelle in Eu­ropa und Aus­lö­ser für viele tech­no­lo­gi­sche In­no­va­tio­nen. Auch Zinn war his­to­risch ge­se­hen ein be­deu­ten­des Me­tall, das hier ge­won­nen und ver­ar­bei­tet wurde.

Jaipur City /​ Indien

Jaipur (c) pixabay

Die be­fes­tigte Stadt Jaipur im in­di­schen Bun­des­staat Ra­jasthan wurde 1727 von Sa­wai Jai Singh II ge­grün­det. Im Ge­gen­satz zu an­de­ren Städ­ten in der Re­gion, die in hü­ge­li­gem Ge­lände lie­gen, ent­stand sie in ei­ner Ebene nach ei­nem stren­gen Ras­ter­plan. In den Stra­ßen wur­den durch­ge­hende Ko­lon­na­den er­rich­tet, die sich in der Mitte kreu­zen und große öf­fent­li­che Plätze schaf­fen. Wohn­häu­ser und Tem­pel ent­lang der Haupt­stra­ßen wei­sen ein­heit­li­che Fas­sa­den auf. Be­rühmt ist vor al­lem der „Pa­last der Winde“. Als Han­dels­stadt kon­zi­piert, hat sich Jaipur bis heute seine lo­ka­len Handels‑, Hand­werks- und Ge­nos­sen­schafts­tra­di­tio­nen be­wahrt.

Prosecco di Conegliano und Valdobbiadene /​ Italien

farra di So­ligo (c) Con­sor­zio Tu­t­ela del Vino Co­ne­gliano Valdob­bia­dene Pro­secco Su­pe­riore DOCG

Das neue UNESCO-Welt­kul­tur­erbe im Nord­os­ten Ita­li­ens um­fasst nur ei­nen Teil des Wein­an­bau­ge­biets Pro­secco – aber den schöns­ten. Die Land­schaft ist ge­prägt von Hü­geln, Wein­gär­ten, Wäl­dern, Dör­fern und Acker­land. Seit Jahr­hun­der­ten wird diese Re­gion vom Men­schen ge­formt. So ent­stand eine Kul­tur­land­schaft wie aus dem Bil­der­buch, die durch ih­ren Wein zu welt­wei­ter Be­rühmt­heit ge­langt ist.

Risco Caido und die heiligen Berge /​ Gran Canaria

Mesa del Jun­quilo /​ Gran Ca­na­ria (c) Ja­vier Gil Leon

Das Risco Caído liegt in ei­ner wei­ten Berg­re­gion im Zen­trum von Gran Ca­na­ria und be­steht aus Klip­pen, Schluch­ten und vul­ka­ni­schen For­ma­tio­nen. Die Land­schaft um­fasst eine große An­zahl von Höh­len­sied­lun­gen – Le­bens­räume, Ge­trei­de­spei­cher und Zis­ter­nen. Sie be­le­gen die Prä­senz ei­ner al­ten Kul­tur auf der In­sel – lange vor der An­kunft der ers­ten spa­ni­schen Sied­ler im 15. Jahr­hun­dert. Auch Kult­höh­len und zwei Tem­pel sind hier zu fin­den, in de­nen sai­so­nale Ze­re­mo­nien ab­ge­hal­ten wur­den. Es wird an­ge­nom­men, dass sie mit ei­nem mög­li­chen Ster­nen­kult und „Mut­ter Erde“ ver­bun­den wa­ren.

Königliches Gebäude von Mafra /​ Portugal

Ma­fra /​ Por­tu­gal (c) DGPC

Ma­fra liegt 30 Ki­lo­me­ter nord­west­lich von Lis­sa­bon und wurde 1711 von Kö­nig João V als greif­bare Dar­stel­lung von Mon­ar­chie und Staat kon­zi­piert. Das im­po­sante En­sem­ble be­her­bergt die Pa­läste des Kö­nigs und der Kö­ni­gin, die kö­nig­li­che Ka­pelle in Form ei­ner rö­mi­schen Ba­rock-Ba­si­lika, ein Fran­zis­ka­ner­klos­ter und eine Bi­blio­thek mit 36.000 Bän­den. Ab­ge­run­det wird der Kom­plex durch den Cerco-Gar­ten mit sei­ner geo­me­tri­schen An­ord­nung und den kö­nig­li­chen Jagd­park.

Kladruby nad Labem /​ Tschechien

(c) Na­tio­na­les Ge­stüt in Kladruby nad La­bem, s.p.o.

In Kladruby nad La­bem – et­was au­ßer­halb von Prag – wer­den die fla­chen, san­di­gen Bö­den an den Ufern der Elbe schon seit vie­len Jahr­hun­der­ten für die Zucht und Aus­bil­dung von Kladru­ber­pfer­den ge­nutzt, die auch Ver­wen­dung bei Ze­re­mo­nien am Kai­ser­hof der Habs­bur­ger fan­den. 1579 wurde hier ein kai­ser­li­ches Ge­stüt ge­grün­det, das sich zu ei­ner der füh­ren­den In­sti­tu­tio­nen für die Pfer­de­zucht in Eu­ropa ent­wi­ckelt – in ei­ner Zeit, als die Zug­pferde noch eine wich­tige Rolle beim Trans­port und in der Land­wirt­schaft.

Heiligtum von Bom Jesus do Monte in Braga /​ Portugal

Bom Je­sus do Monte /​ Por­tu­gal (c) pixabay

Die Kul­tur­land­schaft an den Hän­gen des Ber­ges Es­pinho mit Blick auf die Stadt Braga im Nor­den Por­tu­gals soll an das christ­li­che Je­ru­sa­lem er­in­nern und bil­det ei­nen mit ei­ner Kir­che ge­krön­ten hei­li­gen Berg nach. Diese „Sacri Monti“ wur­den von der ka­tho­li­schen Kir­che auf dem Kon­zil von Tri­ent im 16. Jahr­hun­dert als Re­ak­tion auf die pro­tes­tan­ti­sche Re­for­ma­tion in­iti­iert. Das Bom Je­sus En­sem­ble um­fasst eine Reihe von Ka­pel­len, Brun­nen und Gär­ten und gip­felt in der 1784 bis 1811 er­bau­ten Kir­che. Die be­rühmte „Treppe der fünf Sinne“ mit ih­ren Wän­den, Stu­fen, Spring­brun­nen, Sta­tuen und an­de­ren Zier­ele­men­ten ist ein Meis­ter­werk des Ba­rock.

Wassermanagement in Augsburg /​ Deutschland

Hoch­ab­lass /​ Augs­burg Pla­ning­haus Ar­chi­tek­ten

Das Was­ser­ma­nage­ment der Stadt Augs­burg hat sich vom 14. Jahr­hun­dert bis heute in meh­re­ren Pha­sen ent­wi­ckelt. Es be­steht aus ei­nem Netz von Ka­nä­len, Was­ser­tür­men mit Pump­ma­schi­nen aus dem 15. bis 17. Jahr­hun­dert, ei­ner was­ser­ge­kühl­ten Metz­ge­rei, drei mo­nu­men­ta­len Brun­nen und Was­ser­kraft­wer­ken, die auch heute noch nach­hal­tige En­er­gie lie­fern. Die tech­no­lo­gi­schen In­no­va­tio­nen die­ses Sys­tems ha­ben dazu bei­getra­gen, Augs­burg als Vor­rei­ter im Was­ser­bau zu eta­blie­ren.

Vatnajökull-Nationalpark /​ Island

Flá­a­jö­kull /​ Is­land (c) Thor­var­dur Ar­na­son

Diese iko­ni­sche Vul­kan­re­gion des Vat­na­jö­kull um­fasst fast 14 Pro­zent von Is­land und zählt zehn zen­trale Vul­kane, von de­nen zwei zu den ak­tivs­ten auf der In­sel ge­hö­ren. Die Wech­sel­wir­kung zwi­schen Vul­ka­nen und den Ris­sen, die der Eis­kappe des Vat­na­jö­kull zu­grunde lie­gen, hat viele For­men. Die spek­ta­ku­lärste ist der Jö­kulhlaup – eine plötz­li­che Flut, die durch die Ver­let­zung des Glet­scher­ran­des wäh­rend ei­nes Aus­bruchs ver­ur­sacht wird. Die­ses wie­der­keh­rende Phä­no­men hat zur Ent­ste­hung ein­zig­ar­ti­ger Sand­ure­be­nen, Fluss­sys­teme und sich schnell ent­wi­ckeln­der Can­yons ge­führt. Hier fin­det sich auch eine en­de­mi­sche Grund­was­ser-Fauna, die die Eis­zeit über­stan­den hat.

Paraty und Ilha Grande /​ Brazil

Pa­raty (c) IPHAN /​ Os­car Li­be­ral

Die­ses kom­bi­nierte Kul­tur- und Na­tur­erbe zwi­schen der Serra da Bo­caina und dem At­lan­tik um­fasst ei­ner­seits das his­to­ri­sche Zen­trum von Pa­raty und an­de­rer­seits vier Na­tur­schutz­ge­biete des bra­si­lia­ni­schen At­lan­tik­walds. Sie be­hei­ma­ten eine be­ein­dru­ckende Ar­ten­viel­falt und auch ei­nige be­drohte Tiere, wie den Ja­guar, den Weiß­lip­pen-Pe­kari und den Woll-Klam­mer­af­fen. Pa­raty war einst End­punkt des „Ca­minho do Ouro“, an dem Gold nach Eu­ropa ver­schifft wurde. Sein Ha­fen diente aber auch Sta­tion für afri­ka­ni­sche Skla­ven, die zur Ar­beit in die Mi­nen ge­schickt wur­den. Ein Ver­tei­di­gungs­sys­tem wurde er­rich­tet, um den Reich­tum des Ha­fens und der Stadt zu schüt­zen. Die ko­lo­niale Ar­chi­tek­tur im his­to­ri­schen Zen­trum stammt aus dem 18. und dem frü­hen 19. Jahr­hun­dert.

Region Ohrid /​ Albanien & Mazedonien

Oh­rid (c) pixabay

Ein Teil des Oh­rid­sees, der in Ma­ze­do­nien liegt, ge­hört be­reits seit 1979 zum UNESCO-Welt­kul­tur­erbe – ein­schließ­lich der Stadt Oh­rid. Nun wurde das ge­schützte Ge­biet um den al­ba­ni­schen Teil des Sees im Nord­wes­ten, die kleine Halb­in­sel Lin und den Land­strei­fen ent­lang der Küste bis zur ma­ze­do­ni­schen Grenze er­wei­tert. Die Halb­in­sel be­her­bergt die Reste ei­ner früh­christ­li­chen Kir­che aus der Mitte des 6. Jahr­hun­derts. In den fla­chen Ge­wäs­sern in der Nähe des See­ufers zeu­gen drei Stand­orte von prä­his­to­ri­schen Pfahl­bau­ten. Der See ist dar­über hin­aus ein Na­tur­phä­no­men der Su­per­la­tive und bie­tet zahl­rei­chen en­de­mi­schen Ar­ten aus dem Ter­tiär eine Zu­flucht.

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